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Marx an Engels
in Manchester

[London] Sept. 21. 58
9, Grafton Terrace, Maitland Park,
Haverstock Hill

Dear Frederick,

Das lange Schweigen mußt Du mit gewohnter Langmütigkeit entschuldigen. Das Unwohlsein, woran ich litt, bevor ich noch Manchester verließ, war wieder – den ganzen Sommer durch – chronisch, so daß alles Schreiben mir außerordentliche Überwindung kostet. So kommt es auch, daß erst jetzt mein Manuskript fortgeht (in 2 weeks1), aber 2 Hefte at once2. Obgleich ich nichts zu tun hatte, als schon Geschriebnes stilisieren, so kann ich oft stundenlang sitzen, ehe ich mit ein paar Phrasen zurechtgekommen. Übrigens bin ich seit about 8 days3 viel besser und ist mir überhaupt die kältere Jahreszeit günstiger. Außerdem sind viele Aussichten vorhanden, daß ich mit Hilfe meiner Mutter4 die häuslichen Verhältnisse ganz regeln kann und auch horse exercise5 wieder beginnen. Letztres wird das erste sein, sobald Regulierung der business6 erfolgt.

Unterdess habe ich sehr regelmäßig an die „Tribune“ geschrieben, da ich diesen Kerls kein Geld schenken will.

Erkundige Dich einmal bei lupus oder (direkt oder indirekt) bei Borchardt, ob sie eine Frau v. Paula (vielleicht schreibt sie sich Paulaw) kennen, die in Breslau gehaust? Ich werde Euch dann Sonderbares berichten.

Von Bangya hatte ich (leider aber nur für ein paar Stunden) ihn bezügliche Briefe aus Konstantinopel und ebenso Ausschnitte aus den Konstantinopeler Zeitungen in der Hand. Aus den Exzerpten in der „Free Press“ wird die Sache nicht so klar. Es ist ganz wieder die affaire mit dem „Chief des Hauses“.7 Kossuth scheint direkt kompromittiert. Ich habe ihn jetzt in der „Tribune“ summoned to declare himself8!

Apropos. Mit der „Tribune“ hab' ich einen guten Witz erlebt. Als Kritik des „Report des Committee“ über die letzte Krise schickte ich ihr mehrere Artikel9, die sie als leader10 druckte, speziell bezüglich auf Bankwesen, currency11 etc. Nun kömmt ein banker12, der sich ein „bullionist“ zu sein rühmt, mit einem Brief in der „Tribune“, worin er 1. sagt, es sei nie ein so comprehensive summary13 des ganzen Gegenstandes penned14 worden etc., 2. aber allerlei Einwürfe erhebt und die Redaktion auffordert, ihm zu antworten. Die poor devils15 mußten also antworten, und indeed very sad work16 haben sie verrichtet. Solche Inzidenzen sind mir aber günstig.

Unser Freund Jones has decidedly sold himself (but at the lowest possible price) to the Bright coterie17. Der Esel hat sich politisch ruiniert, ohne kommerziell sich zu retten. Ich werde die ihn bezüglichen Papiere aus „Reynolds“ ausschneiden und Dir schicken. Wie wenig ihm aber die Apostasie genützt – (er hat das „People's Paper“ den „Morning Star“-Leuten verkauft; hat selbst nur noch 2 Spalten in dem Blatt; übrigens schon voller Krakeel mit den neuen Verbündeten wegen der Geldbedingungen) – der Bursche predigt union of the middle- and working classes18 – siehst Du daraus, daß er vorgestern bei Freiligrath, dem er einen deutschen Brief zum Lesen einhändigte, worin er ihn um 4 £ anspricht, da er sonst „eingesperrt“ würde. Freiligrath sagte ihm, sich zu adressieren „to our friend Gilpin“19. Dieser Gilpin nämlich managing director20 der Switzerland-bank und des Blattes, worin Jones sich inkorporiert hat.

Wenn Du irgend Zeit hast, so schreibe anything21 für Freitag. Über den chinesischen Vertrag hab' ich gestern geschrieben.

Lina stays22 jetzt bei uns, da sie ihre Stelle wieder verloren.

Salut. Gruß an lupum.

Dein
K. M.

Du mußt es unter allen Umständen so einrichten, daß Du Weihnachten oder Neujahrszeit für ein paar Tage herkommst.

Nach dem letzten Bericht des „Economist hat der französische Handel sich eher verschlechtert als verbessert seit den letzten Monaten. (Gib Einliegendes an Lupus.)

Quelle: Marx/Engels: Werke, Bd. 29, Berlin: Dietz Verlag 1963, S. 355-356.