[Manchester] 10. Mai 1864
Liebe Jenny,
Poor1 lupus hatte, wie sich jetzt zeigt – Borchardt schon früher wußte – durch unaufhörliche Arbeit ein Vermögen zusammengeschani zt.
Er hatte Engels, Borchardt und mich in seinem Testament (vom Dezember 1863) zu seinen Exekutoren ernannt, und der Notar hat uns soeben das Testament verlesen. Er vermacht darin:
1. 100 £ an die Manchester Schiller-Anstalt
2. 100 £ an Engels
3. 100 £ an Borchardt und
4. Den ganzen Rest, der an 6–700 £ beträgt, an mich (an Dich und die Kinder, falls ich vor ihm verstürbe, er hatte für alle Fälle gesorgt) ebenso seine Bücher und alle übrigen Effekten.
Ich muß jetzt nach seiner Wohnung, um die Papiere in Ordnung zu bringen. Glücklicherweise wohnte er, wenigstens in den letzten 6–7 Wochen, bei ausgezeichnet braven und guten Leuten, wo er die vorzüglichste Pflege genoß. Die abgeschmackten Telegramme wegen Krankenwärter2 – wovon Gumpert nichts wußte – waren Renommisterei und Wichtigtuerei von Bombastes B[orchardt].
Tausend Küsse an Dich und die Kinder.
Dein
Karl
9. Mai 1864.
Liebe Jenny!
Poor lupus starb heute, 10 Minuten nach 5 Uhr nachmittag. Ich komme soeben von der Leiche.
Als ich von London kam, ging ich denselben Abend noch ihn sehn; er war aber bewußtlos. Den nächsten Morgen erkannte er mich. Ich sah ihn mit Engels und den zwei Ärzten, und beim Weggehn rief er noch (mit schwacher Stimme): Ihr kommt doch wieder. Es war ein Lichtpunkt. Bald darauf fiel er wieder in seine Apathie. Bis Donnerstag abend, eigentlich bis Freitag abend schwankte die Sache, daß der Ausgang zweifelhaft schien. Seit Freitag abend bis zu seinem Verscheiden war er bewußtlos. So lange dauerte – jedoch ohne Schmerz für ihn – der Todeskampf. Er ist unbedingt das Opfer des bombastischen Pfuschers. Ich schreibe morgen mehr.
Mit ihm ist einer unserer wenigen Freunde und Mitkämpfer hin. Er war ein Mann im besten Sinn des Worts. Sein Begräbnis wird Freitag sein.
Tausend Küsse an Dich und die Kinder.
Dein
Karl