1
Aufruf
zur Unterstützung deutscher Flüchtlinge

[,„Westdeutsche Zeitung“
Nr. 106 vom 25. September 1849]

Seitdem in Deutschland im wilden Kriegsgetümmel die „Ordnung und Ruhe“ wieder eingeführt; seitdem auf dem Schutte rauchender Städte und unter dem mörderischen Donner der Kanonen die „Sicherheit des Eigentums und der Person“ wiederhergestellt ist; seit das Kriegsgericht kaum genügt, um einen „Rebellen“ um den andern mit zerschmettertem Haupte ins Grab hinabzuschicken; seit die Kerker nicht mehr ausreichen, um all die „Hochverräter“ zu fassen; seit das einzige noch übriggebliebene Recht nur das Standrecht ist – seitdem irren Tausende ohne Obdach im fremden Lande umher.

Von Tag zu Tag steigt die Menge und mit ihr das Unglück der Heimatlosen; von einem Orte zum andern verstoßen, wissen sie am Morgen nicht, wohin des Abends ihr Haupt legen, und am Abend nicht, woher des Morgens ihr Brot nehmen.

Es ist eine zahllose Auswanderung, welche die Gegenden der Schweiz, Frankreichs und Englands erfüllt. Aus allen Provinzen Deutschlands sind die Unglücklichen herbeigekommen.

Wer in Wien gegen die schwarzgelbe „Liga“ auf den Barrikaden stand und mit den Sereschanern Jellachichs rang; wer in Preußen vor der Soldateska Wrangels und Brandenburgs floh; wer in Dresden die Reichsverfassung mit der Büchse verteidigte und wer in Baden als republikanischer Soldat wider das vereinigte Kreuzherr der Fürsten im Felde lag – ob Liberaler, ob Demokrat, ob Republikaner, ob Sozialist: die Anhänger der verschiedensten politischen Lehren und Interessen, sie sind alle im gleichen Exil und im gleichen Elend vereinigt.

In zerrissenem Kleide bettelt eine halbe Nation vor den Türen der Fremden.

Auch auf dem kalten Pflaster der glänzenden Weltstadt London irren unsere flüchtigen Landsleute umher. Jedes Schiff, das den Kanal durchschnitt, bringt von jenseits des Meeres eine neue Schar Heimatloser; in allen Straßen dieser Stadt klagt der Kummer eines Verbannten in unserer Sprache.

Diese Not hat viele deutsche Freiheitsfreunde in London tief ergriffen. Am 18. Sept. d. J. wurde daher eine allgemeine Versammlung der Bildungsgesellschaft für deutsche Arbeiter und angekommene Flüchtlinge unserer Nation abgehalten, um einen Ausschuß zur Unterstützung bedürftiger Demokraten zu errichten. Es gingen aus der Wahl hervor:

Karl Marx, ehemaliger Redakteur der „Neuen Rheinischen Zeitung“;

Karl Blind, ehemaliger Abgesandter der badisch-pfälzischen Regierung zu Paris;

Anton Fuster, ehemaliges Mitglied des österreichischen Reichstages zu Wien;

Heinrich Bauer, Schuhmachermeister in London; und

Carl Pfänder, Maler dahier.

Dieser Ausschuß wird jeden Monat öffentliche Rechenschaft ablegen, sowohl in allgemeiner Versammlung als auch auszugsweise in deutschen Zeitungen. Um allen Mißdeutungen vorzubeugen, ist die Bestimmung getroffen worden, daß kein Mitglied des Komitees irgend eine Unterstützung aus der Kasse beziehen darf. Sollte ein Komiteemitglied je unterstützungsbedürftig werden, so verliert es dadurch seine Eigenschaft als Komiteemitglied.

Wir bitten euch nun, Freunde und Brüder, zu tun, was in euren Kräften steht. Wenn euch daran liegt, daß die niedergeworfene und gefesselte Freiheit wieder ersteht, und wenn ihr ein Herz habt für die Leiden eurer besten Vorkämpfer, so bedarf es von unserer Seite keiner großen Mahnung.

Alle Gaben möge man adressieren an: „Heinrich Bauer, Schuhmachermeister, Dean Street, 64, Soho Square, London“. Die Einlage möge bezeichnet werden mit der Aufschrift: „Für das Flüchtlingskomitee.“

Der Ausschuß zur Unterstützung deutscher politischer Flüchtlinge:

(gez.) Anton Fuster Karl Marx Karl Blind
Heinrich Bauer Carl Pfänder

London, den 20. September 1849.

2
Rechnungsablage des Ausschusses zur Unterstützung deutscher Flüchtlinge in London

[„Deutsche Londoner Zeitung“ Nr. 245 vom 7. Dezember 1849]

Am 18. November d. J. hielt der deutsche Arbeiterverein in London mit der Mehrzahl der daselbst anwesenden politischen Flüchtlinge eine Generalversammlung, um die Rechnungsablage des in einer früheren Versammlung ernannten Unterstützungsausschusses in Empfang zu nehmen. Es waren im ganzen seit dem 22. Sept. cr. eingegangen:

£shd
1. Vom Arbeiterverein in London28
2. Von der deutschen Lesegesellschaft in London215
3. Von der Redaktion des „Northern Star“ in London5
4. Von dem Bürger Eddäus in London1
5. Durch den Bürger Siefert in London gesammelt96
6. Vom Bürger Göringer in London159
7. Durch den Bürger J. Bauer in London gesammelt716
8. Von den deutschen Arbeitern aus Paris, durch Bürger Heidecker121
9. Aus Huddersfield durch Bürger Krepp3
10. Aus Stettin in Preußen1814
Summa3612

Die Ausgaben betrugen vom 22. September bis zum 18. November cr. an die Flüchtlinge:

£shd
1. Kleiner3172
2. Zschinski3174
3. Fröhlich221
4. Henser376
5. Egener119
6. W. Töpffer1117
7. J. Töpffer144
8. An die Flüchtlinge Blei, Bergmann, Osoba, Wessely, Braulichy und Klein, zusammen2810
9. An den Flüchtling Kaufmann Schopp nebst Familie gegen Solawechsel4
10. Für Druckkosten und Subskriptionslisten115
Summa263½

Summa der Einnahme: £ 36 12 sh 5½ d
Summa der Ausgabe: £ 26 3 sh ½ d
Kassenbestand: £ 10 9 sh 5 d

Es gingen ferner Kleidungsstücke ein, die an die Flüchtlinge verteilt wurden.

Obige Rechnungsablage wurde einstimmig von der Versammlung angenommen. Über sämtliche Ausgaben liegen die Quittungen vor, und werden die in der erwähnten Versammlung nicht vertretenen Geber von Huddersfield und Stettin aufgefordert, Kommittenten in London zu ernennen, um diese Quittungen einzusehen.

Da durch die Abreise zweier Glieder des Ausschusses, A. Füster und K. Blind, derselbe unvollzählig geworden war und da ferner ein Gegenkomitee, unabhängig vom Arbeiterverein und den Flüchtlingen der sozial-demokratischen Richtung, sich hier zu bilden sucht, gab der Ausschuß sein Mandat in die Hände der Gesellschaft zurück. Die Gesellschaft beschloß hierauf:

1. Der deutsche Arbeiterverein ernennt, unter Anerkennung der Tätigkeit des bisherigen Ausschusses, ein neues Komitee von fünf Gliedern aus seiner Mitte unter dem Titel: „Sozial-demokratisches Unterstützungs-komitee für deutsche Flüchtlinge“. Dieses Komitee übernimmt das Saldo des früheren Ausschusses. 2. Das Komitee nimmt vorzugsweise die Mitglieder der sozial-demokratischen Partei in Anspruch, wird aber, soweit seine Mittel es erlauben, auch Flüchtlinge anderer Richtungen von der Unterstützung nicht ausschließen. 3. Das Komitee legt dem Arbeiterverein monatliche Rechnung ab und wird sodann erneuert. Die Rechnungsablage wird veröffentlicht in der „Deutschen Londoner Zeitung“, im „Northern Star“, in der Frankfurter „Neuen Deutschen Zeitung“, in Köln in der „Westdeutschen Zeitung“, in der „Norddeutschen Freien Presse“ in Hamburg, in der Berliner „Demokratischen Zeitung“, in der „Schweizerischen National-Zeitung“, in der „Schnellpost“ und in der „Staatszeitung“ zu New York. 4. Die Geber von Beiträgen sind berechtigt, bei den monatlichen Rechnungsablagen persönlich oder, wenn sie nicht in London anwesend sind, durch Kommittenten zu erscheinen und die Bücher, Quittungen und die Kassenbestände zu prüfen. 5. Der Arbeiterverein ernennt zu Komiteegliedern: Karl Marx, August Willich, Friedrich Engels, Heinrich Bauer, Carl Pfänder.

Indem das unterzeichnete Komitee obige Rechnungsablage nebst den Beschlüssen des Arbeitervereins zur öffentlichen Kenntnis bringt, bittet es, die Beiträge an Heinrich Bauer, 64, Dean Street, Soho, London, einzusenden.

London, 3. Dezember 1849Das Komitee:
Karl Marx   August Willich   Friedrich Engels
Heinrich Bauer   Carl Pfänder

3
Einleitung zur Aktienzeichnung
auf die „Neue Rheinische Zeitung.
Politisch-ökonomische Revue"
redigiert von Karl Marx

Die „Neue Rheinische Zeitung“ erschien bekanntlich vom 1. Juni 1848 bis zum 19. Mai 1849 unter der Direktion von Karl Marx als Tagblatt in Köln am Rhein. Sie vertrat die entschiedenste Richtung der Demokratie in Deutschland mit solchem Glück, daß trotz aller Suspensionen und Belagerungszustände, trotz aller Preßprozesse und Verfolgungen, trotz der größten Schwierigkeiten, Anfeindungen und Hindernisse aller Art sie nach nur elfmonatlichem Bestehen 5600 Abonnenten zählte. Nachdem die Redaktion zweimal von den Geschworenen freigesprochen war, blieb der preußischen Regierung nur noch ein Gewaltstreich zur Unterdrückung dieses gefürchteten Blattes übrig: Als die partiellen Aufstände im Mai v. J. in Rheinpreußen unterdrückt waren, wurde die momentane Säbelherrschaft dazu benutzt, die Redaktion gewaltsam aus Preußen zu entfernen und so das Forterscheinen der „Neuen Rheinischen Zeitung“ unmöglich zu machen.

Die Redakteure der „Neuen Rheinischen Zeitung“, nachdem sie, sei es in Süddeutschland, sei es in Paris, an den revolutionären Bewegungen des letzten Sommers teilgenommen, haben sich der Mehrzahl nach in London wieder zusammengefunden und beschlossen, die Zeitung von hier aus fortzusetzen. Die Zeitung kann zunächst nur als Revue in monatlichen Heften von ca. fünf Bogen erscheinen. Das Unternehmen wird aber erst dann seinen Zweck vollständig erfüllen, eine ununterbrochene, dauernde Wirkung auf die öffentliche Meinung ausüben und auch in finanzieller Beziehung ganz andere Chancen bieten, wenn die Redaktion in den Stand gesetzt wird, die einzelnen Nummern rascher aufeinanderfolgen zu lassen. Sie beabsichtigt deshalb, sobald die Mittel es erlauben, die „Neue Rheinische Zeitung“ in vierzehntägigen Heften von fünf Bogen oder womöglich als großes wöchentliches Blatt nach Art der amerikanischen und englischen Wochenblätter erscheinen zu lassen und, sobald die Verhältnisse ihr die Rückkehr nach Deutschland gestatten, das Wochenblatt sofort wieder in eine tägliche Zeitung zu verwandeln.

Eine vorläufige Berechnung stellt heraus, daß die Revue bei nur 14tägigem Erscheinen und bei einem Absatz von 3000 Exemplaren einen jährlichen Reingewinn von Taler 1900 abwirft.

Um das Unternehmen sicherzustellen und das 14tägige oder wöchentliche Erscheinen der Revue möglich zu machen, ist ein Kapital von £ 500 nötig, für welchen Betrag hiermit eine Aktienzeichnung unter folgenden Bedingungen eröffnet wird:

1. Jede Aktie beträgt 50 Francs und wird sogleich gegen vorläufige Quittung ausbezahlt. Die vorläufigen Quittungen werden später gegen die Originalaktien ausgetauscht.

2. Jeder Aktionär ist nur für den Betrag seiner Aktie verbindlich.

3. Die Aktionäre haben das Recht, Kommittenten in London zur Einsicht der Geschäftsführung zu ernennen.

4. Jedes Vierteljahr wird eine Generalversammlung berufen, die den Bericht über den Fortgang des Unternehmens sowie die Rechnungsablage entgegennimmt, über die weitere Kontrollierung der Geschäftsführung Beschlüsse faßt. Den einzelnen Aktionären wird ein lithographierter Geschäftsbericht zugeschickt.

5. Der aus dem Geschäft sich ergebende Gewinn wird solange zum Geschäftskapital geschlagen, bis die „Neue Rheinische Zeitung“ wöchentlich erscheinen kann. Ist das Unternehmen soweit gediehen, so wird der Gewinn in drei gleiche Teile geteilt, von denen ein Drittel als Reservefonds stehenbleibt, ein zweites Drittel als Dividende an die Aktionäre verteilt wird und das letzte Drittel der Redaktion zufällt.

London, 1. Januar 1850 C.Schramm
Gerant der „Neuen Rhein. Zeitung“
Nach der Handschrift.

4
Rechnungsablage
des Sozial-demokratischen Flüchtlingskomitees in London

[„Westdeutsche Zeitung“
Nr. 68 vom 21. März 1850]

1. Ausgaben

sh£shd
Nov. 184916Unterstützungen zu7512
Dez. „29"7103
3"412
1"66
1"33
2"510
1"5/656
1"88
1"1212
4"102
Jan. 185020"77
1"2/626
3"412
Febr. 1.–23.18"766
2"510
1"22
5"10210
1"33
1"1313
2"1/326
114Unterstützungen zusammen38136
Porto, Stempel, Inkassospesen und
Schreibmaterial
151
Summe39187

Unter den Ausgaben befinden sich 26 £ Vorschuß an verschiedene inzwischen beschäftigte Flüchtlinge zur Anschaffung von Handwerkszeug, Kleidungsstücken etc., deren spätere Rückzahlung versprochen worden ist.

2. Einnahmen

£shd
Nov.19. Saldo1095
Dezbr.1. Vom Arbeiterverein36
10. Durch die „Westd[eutsche] Z[eitung]“ in Köln Tlr. 30 abzügl. Kosten41
15. Von deutschen Arbeitern in Paris2510
17. Durch Hr. Prof. Türk in Rostock16126
Febr.11. Vom Hilfskomitee in Cincinnati2018
20. Von den Arbeitern in Schwerin3
Summe57103
Ab obige Ausgaben39187
Bleibt in Kasse17118

Die vorstehende Rechnung ist in der Sitzung des hiesigen deutschen Arbeitervereins vom 4. März abgelegt und richtig befunden worden. Die Quittungen und Bücher des Komitees liegen zur Einsicht der Geber oder ihrer Kommittenten beim Kassierer bereit.

Seit dem Abschluß dieser Rechnung sind noch zwei Posten von Köln und New York eingegangen, welche in der nächsten Ablage verrechnet werden. Dagegen hat sich durch die fortwährenden Ausweisungen aus der Schweiz und aus Frankreich die Zahl der hiesigen unterstützungsbedürftigen Flüchtlinge in einem hohen Grade vermehrt. Fast täglich kommen neue Flüchtlinge hier an und meistens in einem Zustande, worin sie nicht nur die gewöhnliche notdürftige Unterstützung bedürfen, sondern auch ebenso dringende Auslagen für Kleidung nötig machen. Das unterzeichnete Komitee wird unter diesen Umständen um so mehr in Anspruch genommen, je weniger die Versuche, von anderer Seite her Mittel zur Unterstützung der hiesigen Flüchtlinge aufzutreiben, von Erfolg gewesen zu sein scheinen und jemehr daher alle hier ankommenden Flüchtlinge ihm sofort zugewiesen werden. Es ist den Bemühungen der hiesigen deutschen Arbeiter und der Flüchtlinge selbst gelungen, für manche der letztern Beschäftigung zu finden. Aber eine Menge Geschäftszweige, die den Flüchtlingen anderwärts offenstehen, sind ihnen aus verschiedenen Gründen und namentlich durch die Hetzjagd der Konkurrenz in dem übervölkerten London verschlossen. Und dann ist der Andrang der neuen Ankömmlinge so rasch, daß trotzdem die Liste der zu Unterstützenden jede Woche anschwillt.

Obwohl bei der Verwendung der dem Komitee überwiesenen Gelder die größte Sparsamkeit beobachtet und die regelmäßige Unterstützung auf das Notdürftigste beschränkt wird, was die hiesigen hohen Preise der Lebensbedürfnisse gestatten, so haben unter diesen Umständen die Fonds des Komitees sehr rasch zusammenschmelzen müssen. Wir müssen sogar befürchten, daß wir vielleicht bald außerstand gesetzt werden, die hiesigen unbeschäftigten Flüchtlinge vor der Obdachlosigkeit und dem äußersten Elend zu schützen.

Wir appellieren daher nochmals an die Mittel der Partei in Deutschland selbst. Wir rufen ihr zu, daß in demselben Maße, in dem die Zahl und damit die Not der Flüchtlinge in der Schweiz und in Frankreich abnimmt, in demselben Maße sie zunimmt in London, und wir hoffen, daß es nicht dahin kommen wird, daß Leute, die für die Freiheit und die Ehre des deutschen Volkes die Waffen geführt haben, ihr Brot an den Straßenecken von London erbetteln müssen.

Alle Beiträge werden erbeten unter der Adresse:

Mr. Henry Bauer
64, Dean Street, Soho
London

London, Anfangs März 1850

Das Sozial-demokratische Flüchtlingskomitee:
Karl Marx   Fr. Engels   H. Bauer   A. Willich   Carl Pfänder

5
Weltgesellschaft der revolutionären Kommunisten

Art. 1. Das Ziel der Assoziation ist der Sturz aller privilegierten Klassen, ihre Unterwerfung unter die Diktatur der Proletarier, in welcher die Revolution in Permanenz erhalten wird bis zur Verwirklichung des Kommunismus, der die letzte Organisationsform der menschlichen Familie sein wird.

Art. 2. Zur Verwirklichung dieses Zieles wird die Assoziation ein Band der Solidarität zwischen allen Fraktionen der revolutionären kommunistischen Partei bilden, indem sie, dem Prinzip der republikanischen Brüderlichkeit entsprechend, alle nationalen Schranken verschwinden läßt.

Art. 3. Das Gründungskomitee der Assoziation konstituiert sich zum Zentralkomitee. Es wird überall, wo es zur Durchführung der Aufgaben notwendig ist, Komitees einsetzen, die mit dem Zentralkomitee in Verbindung stehen.

Art. 4. Die Mitgliederzahl der Assoziation ist unbegrenzt, aber niemand darf aufgenommen werden, der nicht einstimmig gewählt wird. Die Wahl darf aber keinesfalls geheim sein.

Art. 5. Alle Mitglieder der Assoziation verpflichten sich eidlich, den ersten Artikel der Satzungen unbedingt einzuhalten. Eine Änderung, die möglicherweise eine Abschwächung der im ersten Artikel ausgesprochenen Absichten zur Folge hätte, entbindet die Mitglieder der Assoziation ihrer Verpflichtung.

Art. 6. Alle Beschlüsse der Gesellschaft werden mit Zweidrittelmehrheit der Abstimmenden gefaßt.

Adam J. Vidil   K. Marx   August Willich   F. Engels
G. Julian Harney

Geschrieben Mitte April 1850.

Nach der Handschrift, vermutlich von August Willich.

Aus dem Französischen.

6
Rechnungsablage
des Sozial-demokratischen Flüchtlingskomitees in London

[„Westdeutsche Zeitung“
Nr. 104 vom 2. Mai 1850]

Einnahme

£shd
Febr. 25.Saldo in Kasse ....................17118
„ ‚Vom Sozial-Reform-Verein in New York....30185
März 13.Vom Flüchtlingskomitee in Köln .........36
„ 23.A.F., Mitglied des Arbeitervereins .......5
„ 18.Von Hamburg ..........................6
April 16.„ Bielefeld ..........................13
„ ‚ ‚E[mil] B[lank] durch Engels ............1
„ 20. ‚mehreren englischen Arbeitern ..........7
9521

Ausgaben

£shd
März53 Unterstützungen à 7 [sh]1811
7 „ à 10 ‚310
1 „ à 9 ‚ 6 [d]96
März1 Unterstützungen à 2 [sh] 81/2 [d]281/2
6 „ à 5 ‚110
2 „ à 1 ‚2
2 „ à 4 ‚8
1 „ à 2 ‚2
Vorschüsse .......................23
Porto und kleine Ausgaben ..............88
April56 Unterstützungen à 6 „1616
18 „ à 5 ‚410
2 „ à 2 ‚ 6 ‚5
14 „ à 1 ‚ 6 ‚11
52 „ à 7 ‚184
1 „ à 8 ‚8
54 „ à 3 ‚82
49 „ à 3 ‚ 6 ‚8116
1 „ à 6 ‚ 4 ‚64
Kleine Ausgaben .......................65
851711/2
Kassenbestand .........................94111/2

Das Komitee, gestiftet am 18. September 1849, hat seit seiner Gründung ungefähr hundert Flüchtlinge kürzere oder längere Zeit unterstützt, die Gesamtsumme der durch seine Hände gegangenen Gelder beläuft sich auf £ 161. 71/2. Außerdem hat der Arbeiterverein außerordentliche Bedürfnisse einzelner Flüchtlinge durch Kollekten gedeckt, andern Arbeit verschafft und sämtlichen Flüchtlingen sein Lokal nebst Zeitungen zur Verfügung gestellt.

Über obige Rechnungsablage, die dem deutschen Arbeiterverein vorgelegt und von ihm genehmigt worden ist, liegen die Bücher und Quittungen beim Kassierer des Komitees zur Einsicht der Geldabsender oder ihrer Mandatare bereit.

Die Herren Struve, Bobzin, Bauer (Stolpe) und andere haben neuerdings ihre Namen für nötig gehalten, um hinreichende Geldsubsidien aus Deutschland für die Flüchtlinge heranzuziehen. Sie haben demgemäß eine Anzahl von Flüchtlingen um sich gruppiert und gestern in einer Versammlung ein eigenes Komitee konstituiert. Es versteht sich, daß dies abermalige Projekt zur Bildung eines Nebekomitees uns in unserer Tätigkeit für die Flüchtlinge nicht mehr beirren kann als die früheren gescheiterten Projekte.

Wie die Rechnungsablage zeigt, ist die Kasse des Komitees so erschöpft, daß sie kaum noch für die Bedürfnisse einer Woche ausreicht. Dazu melden sich noch täglich neue Flüchtlinge um Unterstützung. Wir fordern daher nochmals die deutsche sozial-demokratische Partei auf, ihre Flüchtlinge nicht im Stiche zu lassen und möglichst bald ihre Beiträge an den Kassierer C.Pfänder, 21, King Street, Soho, London einzusenden.

London, 23. April 1850

Das Sozial-demokratische Flüchtlingskomitee
K. Marx, Präsident
August Willich C.Pfänder F.Engels H.Bauer

7
Die deutschen Flüchtlinge in London

[„Westdeutsche Zeitung“
Nr. 149 vom 25. Juni 1850]

Seit einiger Zeit sind die Gelder für die hiesigen deutschen Flüchtlinge so spärlich eingegangen, daß diese dem größten Elende preisgegeben sind. Eine Anzahl von ihnen, die in ihrem Geschäft hier bisher keinen Erwerb finden konnten, schlafen fast seit einer Woche in den Straßen und den Parks und kämpfen mit dem Hunger. Von verschiedenen Seiten sind die Differenzen zwischen den Komitees und die angeblich parteiische Verteilung des Geldes zum Vorwand genommen worden, um keine Gelder für die Flüchtlinge herzuschicken. Die Herren Struve, Bobzin und andere haben dazu beigetragen, indem sie erklärten, das unterzeichnete Komitee unterstütze nur „Kommunisten“.

Wir erklären hier nochmals, daß wir jeden ohne Unterschied unterstützt haben, der sich als unterstützungsbedürftiger deutscher Flüchtling legitimierte. Unsere Bücher und Quittungen sind da, um es zu beweisen, und liegen den Geldsendern oder deren Mandataren jeden Augenblick zur Einsicht bereit. Der Mitunterzeichnete Willich hat in voller Sitzung des Komitees der Herrn Struve, Bobzin und anderer die dort unterstützten Flüchtlinge gefragt, wer von ihnen gefragt worden, ob er „Kommunist“ sei. Nicht ein einziger meldete sich!

Wir erklären die obige Behauptung der Herren Struve, Bobzin und anderer für eine Lüge und Verleumdung.

Hiernach fällt der Vorwand weg, unter dem bisher von verschiedenen Seiten den Londoner Flüchtlingen die Unterstützung entzogen wurde.

London, den 14. Juni 1850

Das Sozial-demokratische Flüchtlingskomitee
K. Marx  F. Engels  C. Pfänder  A. Willich  H. Bauer

Briefe und Beiträge erbeten unter der Adresse C. Pfänder, 21, King Street, Soho, London.

8
Rechnungsablage
des Sozial-demokratischen Flüchtlingskomitees in London
für Mai, Juni und Juli 1850

[„Norddeutsche Freie Presse“
Nr. 425 vom 8. August 1850]

Einnahme

£shd
April 24.Kassenbestand laut voriger Rechnung .....94111/2
MaiVon Hanau durch Bürger Schärttner ......£13
ab Einkommensteuer  „ – 7 9 ...12123
Von einem Engländer ......2
Frankfurt a.M. £5 und £20 ......25
461921/2
JuniVon Trier ......226
„  Paris (deutsche Arbeiter) ......1186
Durch Bürger Petzler ......5
46
JuliVon Frankfurt a.M. ......30
„  Köln ......114
„  Wiesbaden (Arbeiterverein) ......410
„  Hamburg (‚Nordd[eutsche] Freie Presse‘)111110
„  Londoner Arbeiterverein ......796
von Frankfurt a.M. ......20
„  Neustadt a.d. Haardt ......4
„  Hamburg (Expedition des ‚Freischütz‘)201010
„  Lachaux de fonds ......5
„  Hamburg (St. Georger Arbeiterverein) ...176
10411

Ausgabe

£shd
April 24.128 Unterstützungen à 3 sh 6 d ......228
bis  27„      à 3 ‚ ......41
Mai  30.26      „      à 2 ‚ ......212
31      „      à 1 ‚ ......111
25      „      à 5 ‚ ......65
Gelegentliche Unterstützungen ......15
Schuhmacherarbeit für Flüchtlinge ......14
Kleine Auslagen ......611
39211
Juni58 Unterstützungen à 2 sh ......516
59      „      à 1 ‚ ......219
25      „      à 1 ‚ 6 d ......1176
Gelegentliche Unterstützungen ......10
Kleine Ausgaben ......116
1114
Juli28 Unterstützungen à 2 sh ......216
24      „      à 1 ‚ ......14
93      „      à – ‚ 6 d ......266
Gelegentliche Unterstützungen ......16
An die Flüchtlingsmenage
7 £  9 sh 6 d
5 „  – ‚  – ‚
5 „ 10 ‚  – ‚
5 „ 10 ‚  – ‚
6 „  – ‚  – ‚
6 „  – ‚  – ‚
3596
Für Arbeitseinrichtung ......6
Vorschüsse an Flüchtlinge ......7126
Vorschüsse an einen Flüchtling mit Familie ......1
Kleine Ausgaben ......1931/2
581391/2
Totalausgabe1091081/2
£shd
Totaleinnahme ......1551621/2
Ab Ausgabe  ......1091081/2
Kassenbestand ......4656

Obige Rechnungsablage wurde in der Sitzung des Arbeitervereins vom 30. Juli d. J. vorgelegt und genehmigt. Bücher und Quittungen liegen zur Einsicht der Geldabsender oder ihrer Mandatare bereit.

Da während des Monats Juni die Beiträge sehr spärlich eingingen und die Not der Flüchtlinge oft unerträglich war, wurde die Einrichtung eines gemeinsamen Wohn- und Speisehauses für die Flüchtlinge beschlossen. Der hiesige Arbeiterverein sowie ein Teil der Flüchtlinge, die schon Arbeit gefunden hatten, machten es durch ihre Beiträge möglich, mit der Ausführung dieses Planes zu beginnen. Von den später eingegangenen Geldern konnte das Haus mit den nötigen Utensilien und Möbeln versehen werden. Wohnung haben bis jetzt 18 Flüchtlinge darin gefunden und Beköstigung circa 40. Zunächst wurden die unbeschäftigten Schuster unter den Flüchtlingen verwandt, um ihre Kameraden mit dem nötigen Schuhwerke zu versehen. Das Komitee hat später Fonds ausgesetzt und die nötigen Schritte getan, um eine gemeinsame, industrielle Beschäftigung der Flüchtlinge in dem angegebenen Lokale einzurichten und diese einen Teil ihrer Unterhaltungskosten selbst verdienen zu lassen.

Wenn der erste Versuch sich bewährt, wird die Sache in einem größeren Maßstabe ausgeführt und seinerzeit dem Publikum darüber die weitere Mitteilung gemacht werden. Das Komitee erwartet, daß dieses doppelte Unternehmen der Unterstützung und der industriellen Beschäftigung der Flüchtlinge durch zahlreiche Beiträge aus Deutschland so lange aufrechterhalten werden kann, bis die Flüchtlinge sich selbst zu ernähren imstande sind.

London, vom 30. Juli 1850

Das Sozial-demokratische Flüchtlingskomitee:
Karl Marx  Friedr. Engels  Aug. Willich
Carl Pfänder  Heinr. Bauer

9
[Protokoll der Sitzung
der Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten
vom 15. September 1850]

Gegenwärtig Marx, Engels, Schramm, Pfänder, Bauer, Eccarius, Schapper, Willich, Lehmann.

Fränkel ist entschuldigt.

Das Protokoll der letzten Sitzung ist nicht gegenwärtig, da dies eine außerordentliche Sitzung ist, und wird daher nicht verlesen.

Marx: Die Freitagssitzung konnte wegen Kollision mit der Kommissionssitzung der Gesellschaft nicht stattfinden. Da Willich eine Kreisversammlung, deren Rechtmäßigkeit ich nicht untersuche, berufen, muß die Sitzung heute stattfinden.

Ich stelle folgenden in drei Artikel zerfallenden Antrag:

1. Die Zentralbehörde ist von London nach Köln verlegt und geht auf die dortige Kreisbehörde über, sobald die heutige Sitzung der Zentralbehörde geschlossen ist. Dieser Beschluß wird den Bundesmitgliedern in Paris, Belgien und der Schweiz mitgeteilt. Nach Deutschland wird die neue Zentralbehörde ihn selbst anzeigen.

Motive: Ich war gegen Schappers Antrag für eine allgemeine deutsche Kreisbehörde in Köln, um die Einheit der Zentralgewalt nicht zu stören. Dies fällt in unserm Antrag weg. Dazu kommt eine Reihe neuer Gründe. Die Minorität der Zentralbehörde ist in offener Rebellion gegen die Majorität sowohl bei dem Tadelsvotum letzter Sitzung wie bei der jetzt vom Kreis berufenen Generalversammlung, wie im Verein und bei den Flüchtlingen. Daher ist die Zentralbehörde hier unmöglich. Die Einheit der Zentralbehörde kann nicht mehr beibehalten werden, sie müßte sich spalten und zwei Bünde würden gemacht. Da aber das Interesse der Partei vorgeht, so schlage ich diesen Ausweg vor.

2. Die bisherigen Statuten des Bundes sind aufgehoben. Es wird der neuen Zentralbehörde aufgegeben, neue Statuten zu machen.

Motive: Die 1847er Kongreßstatuten sind 1848 von der Londoner Zentralbehörde verändert. Die Zeitverhältnisse sind jetzt wieder verändert. Die letzten Londoner Statuten haben die prinzipiellen Artikel der Statuten geschwächt. Beide Statuten gelten hier oder da, an einigen Orten gelten gar keine oder ganz eigenmächtig gemachte, also vollständige Anarchie im Bunde. Dazu sind die letzten Statuten veröffentlicht und können also nicht mehr dienen. Mein Antrag geht also der Sache nach dahin, daß an die Stelle der Statutenlosigkeit wirkliche Statuten gesetzt werden.

3. Es werden in London zwei Kreise gebildet, die in absolut keiner Beziehung zueinander stehen und nur das Band haben, daß sie im Bund sind und mit derselben Zentralbehörde korrespondieren.

Motive: Grade wegen der Einheit des Bundes ist es nötig, daß hier zwei Kreise gegründet werden. Außer den persönlichen Gegensätzen sind auch prinzipielle Gegensätze sogar in der Gesellschaft hervorgetreten. Grade in der letzten Debatte über die Frage „die Stellung des deutschen Proletariats in der nächsten Revolution“ sind von Mitgliedern der Minorität der Zentralbehörde Ansichten ausgesprochen, die direkt dem vorletzten Rundschreiben1, sogar dem „Manifest“ widersprechen. An die Stelle der universellen Anschauung des „Manifestes“ ist die deutsche nationale getreten und dem Nationalgefühl der deutschen Handwerker geschmeichelt. Statt der materialistischen Anschauung des „Manifestes“ ist die idealistische hervorgehoben worden. Statt der wirklichen Verhältnisse der Wille als Hauptsache in der Revolution hervorgehoben worden. Während wir den Arbeitern sagen: Ihr habt 15, 20, 50 Jahre Bürgerkrieg durchzumachen, um die Verhältnisse zu ändern, um euch selbst zur Herrschaft zu befähigen, ist statt dessen gesagt worden: Wir müssen gleich zur Herrschaft kommen, oder wir können uns schlafen legen. Wie von den Demokraten das Wort „Volk“, ist jetzt das Wort „Proletariat“ als bloße Phrase gebraucht worden. Um diese Phrase durchzuführen, müßte man alle Kleinbürger als Proletarier erklären, also de facto die Kleinbürger und nicht die Proletarier vertreten. An die Stelle der wirklichen revolutionären Entwicklung müßte man die Phrase der Revolution setzen. Diese Debatte hat endlich bewiesen, welche prinzipiellen Differenzen den Hintergrund der persönlichen Streitigkeiten bildeten, und jetzt ist es Zeit einzuschreiten. Grade diese Gegensätze sind als Kampfparole der zwei Fraktionen genommen worden, und von verschiedenen Bundesmitgliedern sind die Verteidiger des „Manifestes“ als Reaktionäre bezeichnet worden, und man hat sie hierdurch unpopulär zu machen gesucht, was ihnen aber völlig gleichgültig ist, da sie keine Popularität suchen. Die Majorität hätte hiernach das Recht, den Kreis London aufzulösen und die Mitglieder der Minorität als mit den Prinzipien des Bundes im Widerspruch auszustoßen. Ich stelle diesen Antrag nicht, weil es nutzlosen Krakel herbeiführen würde und weil diese Leute ihrer Überzeugung nach doch Kommunisten sind, obwohl die jetzt von ihnen ausgesprochenen Ansichten antikommunistisch sind und höchstens sozialdemokratische genannt werden können. Es versteht sich aber, daß es reiner schädlicher Zeitverlust wäre, wenn wir beisammen blieben. Schapper hat oft von Trennung gesprochen, gut – ich mache Ernst mit der Trennung. Ich glaube den Weg gefunden zu haben, auf dem wir uns trennen, ohne die Partei zu sprengen.

Ich erkläre, daß ich nach meiner Ansicht höchstens 12 Leute bei unserem Kreis wünsche, möglichst wenige, und lasse der Minorität gerne den ganzen Schwarm. Ist dieser Vorschlag angenommen, so können wir offenbar nicht in der Gesellschaft bleiben; ich und die Majorität werden aus der Great Windmill Street Gesellschaft austreten2. Endlich handelt es sich nicht um eine feindliche Beziehung der beiden Fraktionen, sondern im Gegenteil um die Aufhebung der Spannung und daher aller Beziehungen. Im Bund und in der Partei bleiben wir zusammen, aber in einer nur schädlichen Beziehung bleiben wir nicht.

Schapper: Wie in Frankreich das Proletariat sich von der Montagne und der „Presse“ trennt, so hier die Leute, die die Partei prinzipiell vertreten, sich von denen, die im Proletariat organisieren, trennen. Für die Verlegung der Zentralbehörde bin ich, auch für Ändrung der Statuten. Die Kölner kennen die Verhältnisse in Deutschland. Auch glaube ich, daß die neue Revolution Leute hervorbringen wird, die sich selbst leiten werden, besser als alle Leute, die 1848 einen Namen hatten. Was die prinzipiellen Spaltungen anbetrifft, so hat Eccarius die Frage vorgeschlagen, die Anlaß zu dieser Debatte gab. Ich habe die hier angefochtene Ansicht ausgesprochen, weil ich überhaupt in dieser Sache enthusiastisch bin. Es handelt sich darum, ob wir im Anfang selbst köpfen oder geköpft werden. In Frankreich werden die Arbeiter drankommen und damit wir in Deutschland. Wäre das nicht der Fall, so würde ich mich allerdings schlafen legen, und dann könnte ich eine andere materielle Stellung haben. Kommen wir dran, so können wir solche Maßregeln ergreifen, welche dem Proletariat die Herrschaft sichern. Ich bin fanatisch für diese Ansicht. Die Zentralbehörde aber hat das Gegenteil gewollt. Wollt ihr aber nichts mehr mit uns zu tun haben, gut, so trennen wir uns jetzt. Ich werde in der nächsten Revolution gewiß guillotiniert, aber ich werde nach Deutschland gehen. Wollt ihr aber 2 Kreise bilden, gut – dann hört aber der Bund auf, und dann treffen wir uns in Deutschland wieder, und vielleicht können wir dann wieder zusammengehen. Ich bin ein persönlicher Freund von Marx, aber wollt ihr die Trennung, gut, so gehen wir allein und ihr geht allein. Dann sollen aber 2 Bünde gegründet werden. Der eine für die, welche mit der Feder wirken, der andere für die, welche anders wirken. Ich bin nicht der Ansicht, daß die Bourgeois in Deutschland zur Herrschaft kommen, und ich bin fanatischer Enthusiast in dieser Hinsicht, wäre ich das nicht, so gäbe ich keinen Deut für die ganze Geschichte. Aber 2 Kreise hier in London, 2 Gesellschaften, 2 Flüchtlingskomitees, dann wollen wir lieber auch 2 Bünde und vollständige Trennung.

Marx: Schapper hat meinen Antrag mißverstanden. Sobald der Antrag angenommen, trennen wir uns, die 2 Kreise trennen sich, und die Personen stehen in keiner Beziehung zueinander. Sie sind aber in demselben Bund und unter derselben Behörde. Ihr sollt sogar die große Masse der Bundesmitglieder behalten. Was persönliche Opfer angeht, habe ich so viele gebracht, wie jemand, aber für die Klasse, nicht für die Personen. Was den Enthusiasmus angeht, gehört wenig Enthusiasmus dazu, zu einer Partei zu gehören, von der man glaubt, sie käme an die Regierung. Ich habe stets der momentanen Meinung des Proletariats getrotzt. Wir devouieren3 uns einer Partei, die zu ihrem Besten grade noch nicht zur Herrschaft kommen kann. Das Proletariat, käme es zur Herrschaft, würde nicht direkt proletarische, sondern kleinbürgerliche Maßregeln ergreifen. Unsere Partei kann erst zur Regierung kommen, wenn die Verhältnisse es erlauben, ihre Ansicht durchzuführen. Louis Blanc liefert das beste Exempel, was man ausrichtet, wenn man zu früh zur Herrschaft kommt.4 In Frankreich kommen übrigens nicht die Proletarier allein, sondern mit ihnen die Bauern und Kleinbürger zur Herrschaft und werden nicht ihre, sondern deren Maßregeln durchführen müssen. Die Kommune von Paris beweist, daß man nicht in der Regierung zu sein braucht, um etwas durchzuführen. Übrigens, warum spricht sich keines der übrigen Mitglieder der Minorität, namentlich der Bürger Willich aus, die damals alle einstimmig das Rundschreiben gebilligt haben. Den Bund können wir nicht trennen und wollen wir nicht trennen, sondern bloß den Kreis London in 2 Kreise trennen.

Eccarius: Ich habe die Frage gestellt und habe die Absicht allerdings gehabt, die Sache zur Sprache zu bringen. Was die Schappersche Auffassung angeht, so habe ich in der Gesellschaft entwickelt, warum ich sie für eine Illusion halte und warum ich nicht glaube, daß unsere Partei sogleich bei der nächsten Revolution zur Herrschaft kommen kann. Unsere Partei ist dann in den Klubs wichtiger als in der Regierung.

Der Bürger Lehmann entfernt sich, ohne ein Wort zu sagen.

Desgleichen der Bürger Willich.

Art. 1 angenommen von allen. Schapper stimmt nicht.

„ 2 angenommen von allen. Schapper desgleichen.

„ 3 angenommen desgl. Schapper desgl.

Schapper erklärt seinen Protest gegen uns alle. Wir sind jetzt vollkommen getrennt. Ich habe meine Bekannte und Freunde in Köln, die mir mehr folgen als euch.

Marx: Wir haben unsere Sache statutenmäßig abgemacht, und die Beschlüsse der Zentralbehörde haben Gültigkeit.

Nach Verlesung des Protokolls erklären Marx und Schapper, daß sie nicht nach Köln in dieser Angelegenheit geschrieben haben.

Schapper wird gefragt, ob er etwas gegen das Protokoll einzuwenden habe. Er erklärt, daß er nichts einzuwenden habe, da er jeden Einwand für unnötig hält.
Eccarius trägt an, daß das Protokoll von allen unterzeichnet werde. Angenommen. Schapper erklärt, daß er es nicht unterschreiben werde.

So geschehen London, den 15. September 1850.

Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben

gez. K.Marx, Präsident der Zentralbehörde gez. C.Schramm
„  F.Engels, Sekretär „  J.G.Eccarius
„  Henry Bauer „  C.Pfänder

Nach einer von Hermann Haupt angefertigten Abschrift.

10
Rechnungsablage
des Sozial-demokratischen Flüchtlingskomitees in London
vom 1.August bis 10.September [1850]

[„Deutsche Londoner Zeitung“
Nr. 287 vom 27. September 1850]
Einnahme £ sh d
August Saldo ................................. 46 5 6
Durch Miß Berg gesammelt ............ 12 - -
Vom Arbeiterverein in St. Georg Hamburg .. 2 10 -
Von demselben ........................ 1 10 -
Von Neustadt an der Haardt ........... 8 - -
Von Herrn C.Flory durch die Redaktion der
„Deutschen Londoner Zeitung“ ...........
- 8 -
Septbr. Vom deutschen Arbeiterverein in Paris ..... 2 - -
Gesammelt durch Herrn John Berg ....... 17 10 -
Summa: 90 3 6
Ausgabe
£ sh d
August In die Flüchtlingsmenage 28 9 3
An die Bürstenmacherei 7 10 -
Für Leder etc. - 13 6
56 Unterstützungen à 6 d 1 8 -
23      dto.      „ 1 sh 1 3 -
6       dto.      „ 2 sh 6 d - 15 -
Diverse Unterstützungen - 5 6
4 Unterstützungen à 10 sh 2 - -
Vorschüsse an Flüchtlinge 8 4 -
An 4 Flüchtlinge zur Reise nach Amerika 5 - -
Reisekosten nach Schleswig-Holstein 7 3 -
Kleine Unkosten, Porto, Inkasso etc. - 11 3
Septbr. In die Menage 14 4 8
39 Unterstützungen à 6 d - 19 6
2       dto.      „ 1 sh - 2 -
1 Unterstützung à 10 sh und 1 à 5 sh - 15 -
Verteilt nach Vorschrift des Gebers,
Herrn Berg 8 15 -
Vorschüsse an Flüchtlinge 1 18 -
Kleine Spesen - 6 10
Summa: 90 3 6

Da die vier unterzeichneten Mitglieder des bisherigen Sozial-demokratischen Komitees bei Ablegung dieser Rechnung ihren Austritt aus dem Komitee erklärten, ernannte die Gesellschaft in Great Windmill Street eine Kommission zur Prüfung der Bücher und Quittungen, welche am 15. d. ihren Bericht dahin erstattete, daß sie alles in Ordnung gefunden hat.

Die Unterzeichneten hielten es für nötig, sämtliche Bücher und Quittungen über ihre Verwaltung bei dem bisherigen Kassierer, C. Pfänder, 21, King Street, Soho Square, zu belassen, da sie nicht nur aus dem Komitee, sondern auch aus der Gesellschaft getreten sind und sie Dokumente bei etwaigen Reklamationen von seiten des Publikums nicht entbehren können.

Die Geldsender werden daher ersucht, Mandatare in London zu ernennen, um Bücher und Quittungen bei dem genannten bisherigen Kassierer einzusehen.

London, den 18. September 1850

Karl Marx    H.Bauer    C.Pfänder    Fr.Engels

11
[Antrag des Kreises London
an die Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten in Köln
über den Ausschluß der Mitglieder des Sonderbundes]

[Auszug aus der Ansprache der Kölner Zentralbehörde
vom 1. Dezember 1850]

Nachdem der Beschluß gefaßt war, ist uns daher von dem durch Eccarius in London gebildeten Kreise auch der formelle Antrag zugegangen:

„sämtliche Mitglieder des Sonderbundes, speziell Schapper, Willich, Schärttner, Lehmann, Dietz, Gebert, Fränkel, letztere sieben mit Namenennung, auszustoßen und diesen Beschluß sämtlichen Kreisen und Gemeinden des Bundes mitzuteilen, ebenso dem Sonderbunde in London und seinen Leitern“.

Dieser Antrag wurde auf folgende, allerdings höchst triftige Gründe gestützt, welche wir zur näheren Kenntnis der Personen ebenfalls dem ganzen Bunde mitteilen:

„1. Sie haben an außerhalb des Bundes bestehende Behörden geheimer Gesellschaften, an Flüchtlinge aller Nationalitäten über den Zwiespalt in London berichtet und dazu falsch berichtet, 2. sie befinden sich in offener Rebellion gegen die legale Zentralbehörde in Köln, handeln ihren Beschlüssen zum Trotz und lassen zur Gründung eines Sonderbundes einen Emissär5 in Deutschland umherreisen, 3. sie haben sämtliche Verpflichtungen, welche Mitgliedern geheimer Gesellschaften obliegen, gegen die Glieder des Kreises London verletzt und verletzen sie noch fortwährend, 4. sie haben seit der Trennung alle Gesetze geheimer Gesellschaften übertreten, und ein längeres Bleiben derselben im Bunde würde ihnen nur Vorschub zur Auflösung desselben leisten.

Geschrieben am 11. November 1850.

Nach dem Rundschreiben:

Die Central-Behörde an den Bund vom 1. Dezember 1850.

12
Statuten des Kommunistischen Bundes

1. Der Zweck des Kommunistischen Bundes ist, durch alle Mittel der Propaganda und des politischen Kampfes die Zertrümmerung der alten Gesellschaft – 6d[urch] Sturz der Bourgeoisie2 –, die geistige, politische und ökonomische Befreiung des Proletariats, die kommunistische Revolution durchzuführen. Der Bund vertritt in den verschiedenen Entwicklungsstufen, welche der Kampf des Proletariats zu durchlaufen hat, stets das Interesse der Gesamtbewegung, wie er stets alle revolutionären Kräfte des Proletariats in sich zu vereinigen und zu organisieren sucht; er ist geheim und unauf löslich, solange die proletarische Revolution ihr Endziel nicht erreicht hat.

2. Mitglied kann nur werden, wer folgende Bedingungen vereinigt:

a) Freiheit von aller Religion, praktische Lossagung von jedem kirchlichen Verbande und allen nicht durch die bürgerlichen Gesetze gebotenen Zeremonien;

b) Einsicht in die Bedingungen, den Entwicklungsgang und das Endziel der proletarischen Bewegung;

c) Fernhaltung von allen Verbindungen und partiellen Bestrebungen, welche dem Zwecke des Bundes feindlich oder hinderlich sind;

d) Fähigkeit und Eifer für die Propaganda, unerschütterliche Überzeugungstreue, revolutionäre Tatkraft;

e) strengste Verschwiegenheit in allen Bundesangelegenheiten.

3. Über die Befähigung zur Aufnahme entscheidet die Einstimmigkeit der Gemeinden. Die Aufnahme geschieht gewöhnlich vor versammelter Gemeinde durch den Vorsteher. Die Mitglieder geloben, sich den Beschlüssen des Bundes unbedingt zu unterwerfen.

4. Wer die Bedingungen der Mitgliedschaft verletzt, wird ausgeschlossen. Über die Ausschließung einzelner entscheidet die Stimmenmehrheit der Gemeinde. Ganze Gemeinden kann die Zentralgewalt ausschließen, wenn von einer Kreisgemeinde darauf angetragen ist. Die Ausgeschlossenen werden dem ganzen Bunde angezeigt und gleich allen verdächtigen Subjekten von Bundes wegen überwacht.

5. Der Bund gliedert sich in Gemeinden, Kreise, Zentralbehörde und Kongreß.

6. Die Gemeinden bestehen aus wenigstens drei Mitgliedern derselben Lokalität. Sie wählen sich jede einen Vorsteher, der die Sitzungen leitet, und einen Stellvertreter, der die Kasse führt.

7. Die Gemeinden eines Landes oder einer Provinz stehen unter einer Hauptgemeinde, dem Kreise, welcher von der Zentralbehörde ernannt wird. Die Gemeinden stehen direkt nur mit ihrem Kreise in Verbindung, die Kreise mit der Zentralbehörde.

8. Die Gemeinden versammeln sich regelmäßig wenigstens alle 14 Tage; sie stehen in wenigstens monatlicher Korrespondenz mit ihren Kreisen; die Kreisgemeinden in wenigstens zweimonatlicher mit der Zentralbehörde; die Zentralbehörde gibt alle drei Monate Bericht über die Lage des Bundes.

9. Die Vorsteher und Stellvertreter der Gemeinden und Kreise sind auf ein Jahr gewählt und jederzeit von ihren Wählern absetzbar; die Mitglieder der Zentralbehörde sind nur absetzbar durch den Kongreß.

10. Jedes Bundesmitglied hat einen monatlichen Beitrag zu zahlen, dessen Minimum von dem Kongreß festgesetzt wird. Diese Beiträge gehen zur Hälfte an die Kreise, zur Hälfte an die Zentralbehörde und werden verwandt zur Deckung der Verwaltungskosten, zur Verbreitung propagandistischer Schriften und zur Aussendung von Emissären. Die Kreise tragen die Kosten der Korrespondenz mit ihren Gemeinden. Die Beiträge werden alle drei Monate an die Kreise gesandt, welche die Hälfte der Gesamteinnahmen an die Zentralbehörde schicken und gleichzeitig über Ausgabe und Einnahme ihrer Gemeinden Rechenschaft geben. Die Zentralbehörde legt dem Kongreß Rechnung über die ihr zugegangenen Gelder. Außerordentliche Kosten werden durch außerordentliche Beiträge bestritten.

11. Die Zentralbehörde ist das Vollziehungsorgan des ganzen Bundes. Sie besteht aus wenigstens drei Mitgliedern, wird gewählt und ergänzt von dem Kreise, wohin der Kongreß den Sitz derselben verlegt, und ist nur dem Kongreß Rechenschaft schuldig.

12. Der Kongreß ist das gesetzgebende Organ des ganzen Bundes. Er besteht aus den Abgeordneten der Kreisversammlungen, welche jede für je fünf Gemeinden einen Deputierten wählen.

13. Die Kreisversammlung ist die Repräsentation des Kreises, welche regelmäßig alle Vierteljahre an dem Kreisorte unter der Leitung des Vorstands der Hauptgemeinde zur Beratung der Kreisangelegenheiten zusammentritt. Jede Gemeinde sendet dazu einen Abgeordneten. Die Kreisversammlung zur Wahl der Bundesabgeordneten geschieht unabänderlich in der Mitte Juli jedes Jahres.

7Art. 5 Gemeinde Art. 8 Kongreß
Art. 6 Kreis Art. 9 Aufnahme in den Bund
Art. 7 Zentralbehörde Art. 10 Ausstoßung aus dem Bund|Geldverhältnisse8

14. Vierzehn Tage nach dem Schluß der Kreiswahlversammlungen tritt der Kongreß von Rechts wegen an dem Sitze der Zentralbehörde, wenn diese keinen andern Ort bestimmt hat, zusammen.

15. Der Kongreß empfängt von der Zentralbehörde, welche in ihm Sitz, aber keine Stimme hat, den Rechenschaftsbericht über ihre gesamte Tätigkeit und über die Lage des Bundes; er erklärt die Grundsätze der vom Bunde zu befolgenden Politik, entscheidet über Abänderungen in den Statuten und bestimmt den Sitz der Zentralbehörde für das nächste Jahr.

16. Die Zentralbehörde kann in dringenden Fällen einen außerordentlichen Kongreß berufen, welcher alsdann aus den von den Kreisen zuletzt gewählten Abgeordneten besteht.

17. Streitigkeiten unter einzelnen Mitgliedern derselben Gemeinde entscheidet endgültig die Gemeinde, desselben Kreises die Kreisgemeinde, verschiedener Kreise die Zentralbehörde; persönliche Klagen über Mitglieder der Zentralbehörde gehören vor den Kongreß. Streitigkeiten unter Gemeinden desselben Kreises entscheidet die Kreisgemeinde, unter Gemeinden und ihrem Kreise oder unter verschiedenen Kreisen die Zentralbehörde; doch steht im ersten Falle die Berufung an die Kreisversammlungen, im zweiten an den Kongreß offen. Der Kongreß entscheidet auch alle Konflikte der Zentralbehörde mit den Unterbehörden des Bundes.

Geschrieben im November 1850.
Nach einer von Heinrich Bürgers angefertigten Abschrift
mit Bemerkungen von Marx.

13
Karl Marx/Friedrich Engels
Vorbemerkung [zum Trinkspruch
von Louis-Auguste Blanqui
und die deutsche Übersetzung des Trinkspruchs]

Trinkspruch
gesandt durch den Bürger L.A. Blanqui
an die Kommission der Flüchtlinge zu London
für die Jahresfeier des 24. Februar 1851.
Veröffentlicht durch die Freunde der Gleichheit


Vorbemerkung

Einige elende Betrüger des Volkes, das sogenannte Zentralkomitee der europäischen Sozialdemokraten, in Wahrheit ein Komitee des europäischen Zentralmobs, unter Vorstand der Herrn Willich, Schapper usw. feierten in London den Jahrestag der Februarrevolution. Louis Blanc, der Vertreter des sentimentalen Phrasensozialismus, hatte sich aus Intrige gegen einen andern Volksverräter, Ledru-Rollin, dieser Sippschaft untergeordneter Prätendenten angeschlossen. Sie verlasen auf ihrem Bankett verschiedene Adressen, die ihnen zugekommen sein sollten. Von Deutschland hatten sie aller Anstrengungen ungeachtet keine einzige Zuschrift zu erbetteln gewußt. Günstiges Zeichen für die Entwicklung des deutschen Proletariats!

Sie schrieben auch an Blanqui, den edlen Märtyrer des revolutionären Kommunismus, um eine Adresse. Er antwortete ihnen mit dem folgenden Toast:

Warnung an das Volk

Welche Klippe bedroht die Revolution von morgen? Die Klippe, an welcher die Revolution von gestern gescheitert ist, die beklagenswerte Popularität verkappter Bourgeois, die die Rolle von Volkstribunen spielen.

Ledru-Rollin, Louis Blanc, Crémieux, Marie, Lamartine, Garnier-Pagès, Dupont (de l'Eure,) Flocon, Albert, Arago, Marrast!

Verderbensschwere Liste! Unheilkvolle Namen, mit Blut geschrieben auf alle Pflaster des demokratischen Europas!

Die provisorische Regierung hat die Revolution getötet! auf ihr Haupt falle die Verantwortung für alles Unglück, auf ihr Haupt das Blut von so viel tausend Schlachtopfern!

Die Reaktion hat nur ihr Handwerk geübt, indem sie die Demokratie erwürgte. Das Verbrechen fällt den Verrätern zur Last, die das vertrauende Volk zu Führern genommen hatte und die es der Reaktion überlieferten.

Miserabele Regierung! Den Angstrufen, den Bitten zum Trotz schleudert sie die 45-Centime-Steuer unter das Landvolk und treibt es zur Verzweiflung, zum Aufstand.

Sie behält die royalistischen Generalstäbe, den royalistischen Richterstand, die royalistischen Gesetze bei. Verrat!

Sie fällt am 16. April über die Pariser Arbeiter her, wirft die von Limoges ins Gefängnis und kartätscht am 27. die von Rouen zusammen; sie läßt alle ihre Hetzhunde los und hält eine Treibjagd auf alle wahren Republikaner. Verrat, Verrat!

Auf sie, auf sie allein die furchtbare Last der Unglücksfälle, die die Revolution von 1848 vernichtet haben!

O, es gibt große Verbrecher, aber die größten von allen sind sie, in denen das Volk, getäuscht durch Tribunenphrasen, sein Schwert und Schild erblickte, die es begeisterungsvoll für die Schiedsrichter seiner Zukunft erklärte.

Wehe uns, wenn am nahen Tage des Volkstriumphs die vergebliche Nachsicht der Massen einen dieser Menschen, die ihr Mandat geschändet haben, wieder zur Gewalt gelangen ließe! Zum zweiten Male wäre es um die Revolution geschehen.

Mögen die Arbeiter unablässig dies Verzeichnis verfluchter Namen vor Augen haben, und wenn je ein einziger, ja nur ein einziger in einer revolutionären Regierung wiedererscheint, alle mit einer Stimme schreien: Verrat!

Reden, Sermonen, Programme wären nochmals nur Lug und Trug; dieselben Taschenspieler würden wiederkehren, um ihre alten Stücke von neuem zu spielen, sie würden den ersten Ring bilden in einer neuen Kette noch wütenderer Reaktionen. Fluch ihnen und Rache, wenn sie wiederzuerscheinen wagten! Schmach und Verachtung der einfältigen Menge, die sich wieder in ihre Netze fangen ließe!

Doch es ist nicht genug, daß die Eskamoteure des Februar auf immer aus dem Hôtel de Ville verbannt sind, es gilt, sich sicherzustellen gegen neuen Verrat.

Verräter wären diejenigen, die, auf den Schultern des Proletariats zur Regierung erhoben, nicht sogleich folgendes ins Werk setzten:

1. die allgemeine Entwaffnung der Bourgeoisgarden;

2. die Bewaffnung und militärische Organisation aller Arbeiter.

Es gibt ohne Zweifel noch viele andere unerläßliche Maßregeln, aber sie ergeben sich von selbst aus diesem ersten Akte, der die nächste Bürgschaft, das einzige Unterpfand der Sicherheit für das Volk ist.

Nicht ein einziges Gewehr darf in den Händen der Bourgeois bleiben. Ohne das kein Heil!

Die verschiedenen Doktrinen, die sich heute die Sympathien der Massen streitig machen, können ihrer Zeit ihre Versprechungen von Verbesserung und Wohlstand verwirklichen, aber nur unter der Bedingung, daß die Beute nicht fahren gelassen werde für den Schatten, Sie würden zu nichts führen als zu einer elenden Fehlgeburt, wenn das Volk, ausschließlich mit Theorien beschäftigt, das einzig praktische, das einzige sichere Mittel geringschätzen wollte, die Gewalt!

Waffen und Organisation – das ist das entscheidende Element des Fortschritts, das einzig ernste Mittel, dem Elende ein Ende zu machen.

Wer Eisen hat, hat Brot. Man sinkt auf die Knie vor den Bajonetten, man fegt waffenlose Haufen wie Spreu hinweg. Frankreich, gespickt mit bewaffneten Arbeitern – das ist die Ankunft des Sozialismus.

Vor dem bewaffneten Proletariate wird alles verschwinden, Hindernisse, Widersetzlichkeiten, Unmöglichkeiten.

Aber für die Proletarier, die sich mit lächerlichen Straßenpromenaden, mit Freiheitsbäumen, mit wohlklingenden Advokatenphrasen die Zeit vertreiben lassen, gibt es zuerst Weihwasser, dann Beleidigungen, endlich Kartätschen und immer Elend!

Das Volk mag wählen!

Gefängnis von Belle-Île-en-Mer, 10. Februar 1851

Geschrieben zwischen dem 3. und 6. März 1851.

Nach der Flugschrift gedruckt in Köln im Frühjahr 1851.

Quelle: Marx/Engels: Werke, Bd. 7, Berlin: Dietz Verlag 1982, S. 543-572.